Die Aktion „Lied der Woche“ stellt verschiedene Lieder mit ein paar persönlichen Gedanken vor. Mögen die Gedanken und Lieder Sie durch die Woche begleiten.

23. Juli 2020 

Meer, Strand und Sonne – so sieht für viele der perfekte Urlaub aus. Ein weites türkisfarbenes Meer, weiße Sandstrände und heiße Sonne wird es für die meisten in diesem Sommer nicht geben: Corona macht einen Strich durch die Urlaubsplanung. Aber: Auch die Ost- und Nordsee sind sehr schön! – wenn auch etwas rauer und windiger als die Südsee.

Wer schon einmal einen Tag am Meer bei starkem Wind erlebt hat, der weiß, wie aufgewühlt das Meer sein kann und kann sich gut vorstellen, wie schwierig es dabei für Kapitäne und Schiffer gewesen sein muss (oder ist), den Kurs zu halten. Erst recht nachts, wenn das Schwarz der Nacht in das Schwarz des Meeres übergeht. Wie wichtig waren (und sind) da Leuchttürme, die in der Dunkelheit leuchten und die Orientierung bieten!

Orientierung und Licht im Leben von uns Christinnen und Christen bietet Jesus. Er sagte einmal: „Ich bin das Licht dieser Welt. Wer mir folgt, tappt nicht mehr im Dunkeln. Er wird das Licht des Lebens haben.“ (Johannes 8,12 Übersetzung der Basisbibel)

Wie ein Leuchtturm führt er uns durch das aufgewühlte Meer des Lebens:

Englisches Original:

In my wrestling and in my doubts
In my failures You won't walk out
Your great love will lead me through
You are the peace in my troubled sea
You are the peace in my troubled sea

In the silence, You won't let go
In the questions, Your truth will hold
Your great love will lead me through
You are the peace in my troubled sea
You are the peace in my troubled sea

My lighthouse, my lighthouse
Shining in the darkness, I will follow You
My Lighthouse, my Lighthouse
I will trust the promise
You will carry me safe to shore...
Safe to shore...
Safe to shore...
Safe to shore

I won't fear what tomorrow brings
With each morning I'll rise and sing
My God's love will lead me through
You are the peace in my troubled sea
You are the peace in my troubled sea...

You are my light
My lighthouse, my lighthouse
Shining in the darkness, I will follow You
My lighthouse, my lighthouse
I will trust the promise
You will carry me safe to shore...
Safe to shore...
Safe to shore...
Safe to shore...

Fire before us, You're the brightest
You will lead us through the storms
Fire before us, You're the brightest
You will lead us through the storms

Fire before us, You're the brightest
You will lead us through the storms
Fire before us, You're the brightest
You will lead us through the storms

My lighthouse, my lighthouse
Shining in the darkness, I will follow You
My lighthouse, my lighthouse
I will trust the promise
You will carry me safe to shore...
Safe to shore...
Safe to shore...
Safe to shore

Writer(s): Gilkeson Gareth Andrew,
Llewellyn Christopher Dean Lyrics
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Deutsche Übersetzung:

In meinen Kämpfen und meinen Zweifeln
in meinen Misserfolgen wirst du mich nicht verlassen,
deine großartige Liebe wird mich hindurch führen.
Du bist der Frieden in meinem aufgewühltem Meer,
du bist der Frieden in meinem aufgewühltem Meer.

In der Stille du wirst mich nicht loslassen,
in den Fragen wird deine Wahrheit mich halten.
Deine großartige Liebe wird mich hindurch führen.
Du bist der Frieden in meinem aufgewühltem Meer,
du bist der Frieden in meinem aufgewühltem Meer.

Mein Leuchtturm, mein Leuchtturm
scheint in der Dunkelheit, ich will dir folgen.
Mein Leuchtturm, mein Leuchtturm,
ich vertraue deinem Versprechen,
du wirst mich sicher an Land bringen,
sicher an Land,
sicher an Land,
sicher an Land.

Ich fürchte mich nicht davor, was morgen kommt,
mit jedem Morgen stehe ich auf und singe:
Die Liebe meines Gottes wird mich führen.
Du bist der Frieden in meinem aufgewühltem Meer,
du bist der Frieden in meinem aufgewühltem Meer.

Dein Licht vor uns, du bist das Hellste,
Du wirst uns durch die Stürme führen.
Dein Licht vor uns, du bist das Hellste,
Du wirst uns durch die Stürme führen.
Dein Licht vor uns, du bist das Hellste,
Du wirst uns durch die Stürme führen.
Dein Licht vor uns, du bist das Hellste,
Du wirst uns durch die Stürme führen.

Mein Leuchtturm, mein Leuchtturm
scheint in der Dunkelheit, ich will dir folgen.
Mein Leuchtturm, mein Leuchtturm,
ich vertraue deinem Versprechen,
du wirst mich sicher an Land bringen,
sicher an Land,
sicher an Land,
sicher an Land

 

 

Carmen Debatin
Gemeindediakonin der Luthergemeinde Bruchsal

25. Juni 2020

Es ist ein Lied, das für meine Generation zu den kirchlichen Hits gehörte. Als Kind und Jugendliche habe ich es geliebt: „Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer, / wie Wind und Weite und wie ein Zuhaus. / Frei sind wir, da zu wohnen und zu gehen. / Frei sind wir, ja zu sagen oder nein.“ Bis heute wird dieses Lied gerne bei  Trauungen gewünscht. Weil es die Liebe besingt. Oder besser: Gott, der die Liebe ist. Bis heute stimme ich gerne bei Trauungen mit den Brautpaaren in dieses Lied ein. Manchmal auch mit Trauernden bei einer Bestattungsfeier. Was mich aber immer schon hat stolpern lassen war diese Zeile in der vierten Strophe. Dort wird mir Gott als Richter vorgestellt, der mir Freiheit zuspricht. „Herr, du bist Richter! Du nur kannst befreien, / wenn du uns freisprichst, dann ist Freiheit da. / Freiheit, sie gilt für Menschen, Völker, Rassen, / so weit, wie deine Liebe uns ergreift.“

Nun weiß ich aus Beschäftigung mit der Geschichte der nationalsozialistischen Diktatur in unserem Land, dass die „Rasse“ und die in der „Rassenlehre“ zusammengefassten Ausführungen und Folgerungen eine Erfindung der Nationalsozialisten sind. Nach dem Ende dieser Schreckensherrschaft hat sich die Idee von Menschen, die man in „Rassen“ unterteilen kann, noch lange gehalten. Das im Jahr 1970 veröffentlichte Lied „Herr, deine Liebe“, das dem schwedischen Original „Guds kärlek är som stranden och som gräset” folgt, ist ein Beleg dafür. Ernst Hansen (1923-1993), der den Text aus dem Schwedischen übertragen hat, möchte ich zu Gute halten, dass er den schwedischen Text an dieser Stelle genauso übersetzt hat, wie er da stand. Das Wort „Rasse“ eingeschlossen.

Die Prägung durch NS-Sprache und Ideologie ist eine tiefgreifende, die bis heute tiefe Spuren in Denken und Sprechen zeitigt. Sicher wären wir damit weiter durch die Zeit gegangen, hätte nicht die Bewegung „Black lives matter“ (Schwarze Leben zählen) zu einem Nachdenken geführt, das nun auch vor dem Grundgesetz nicht Halt macht. Zu Recht. Weil Sprache und Worte Wirkung haben. Weil Sprache prägt. Einzelne wie ganze Gesellschaften. Ich finde es gut, wenn hier hinterfragt wird. Und sei es nur ein einzelnes Wort, das Wort „Rasse“, hinter dem doch eine Ideologie steht, die Gesellschaften kaputt macht. Immer wieder.

Und was nun tun mit dem schönen Lied? Genauer mit der vierten Strophe? Warum sich nicht die Freiheit nehmen und den Text umschreiben? Wo doch in diesem Lied so viel die Rede ist von der Freiheit, die Gott mir schenkt (welch‘ ein großes, schönes, wohltuendes Wort!). Ich habe da schon (m)eine Idee. Vielleicht wollen Sie sich auch mal versuchen? Und dieses schöne Lied weiter singen. Singen von der Liebe Gottes, die sich anfühlt wie Wind und Weite. Und von der Freiheit, die „gilt für Menschen, Völker, alle“. Ohne Rasse. Ohne Rassismus.

 

Pfarrerin Andrea Knauber, Evangelische Christusgemeinde Unter- und Obergrombach

2. Juni 2020

Pfingsten vor ziemlich genau 1990 Jahren - die Geburtsstunde der
christlichen Gemeinde. Jedes Pfingsten ist so ein Geburtstagsfest der
Kirche.

Besonders runde und halbrunde Geburtstage laden ja in besonderer Weise
dazu ein, zurück zu blicken, die aktuelle Situation zu bedenken oder
auch auf die kommenden Jahre zu blicken.

Auch Pfingsten lädt jedes Jahr ein, zu überlegen: Wo stehen wir als
Kirche, als Kirchen? Geben wir Gottes Geist genug Raum, um uns und die
Kirche zu beleben und zu verändern?

Viele Pfingstlieder sind Bitten um das Kommen des Geistes. Auch dieses
Kirchenlied von Johann Spitta aus dem 19. Jahrhundert, das in vielen
Aussagen kaum aktueller sein könnte:

1. O komm, du Geist der Wahrheit,
und kehre bei uns ein,
verbreite Licht und Klarheit,
verbanne Trug und Schein.
Gieß aus dein heilig Feuer,
rühr Herz und Lippen an,
daß jeglicher getreuer
den Herrn bekennen kann.


2. O du, den unser größter
Regent uns zugesagt:
komm zu uns, werter Tröster,
und mach uns unverzagt.
Gib uns in dieser schlaffen
und glaubensarmen Zeit
die scharf geschliffnen Waffen
der ersten Christenheit.


3. Unglaub und Torheit brüsten
sich frecher jetzt als je;
darum mußt du uns rüsten
mit Waffen aus der Höh.
Du mußt uns Kraft verleihen,
Geduld und Glaubenstreu
und mußt uns ganz befreien
von aller Menschenscheu.


4. Es gilt ein frei Geständnis
in dieser unsrer Zeit,
ein offenes Bekenntnis
bei allem Widerstreit,
trotz aller Feinde Toben,
trotz allem Heidentum
zu preisen und zu loben
das Evangelium.


5. In aller Heiden Lande
erschallt dein kräftig Wort,
sie werfen Satans Bande
und ihre Götzen fort;
von allen Seiten kommen
sie in das Reich herein;
ach soll es uns genommen,
für uns verschlossen sein?


6. O wahrlich, wir verdienen
solch strenges Strafgericht;
uns ist das Licht erschienen,
allein wir glauben nicht.
Ach lasset uns gebeugter
um Gottes Gnade flehn,
daß er bei uns den Leuchter
des Wortes lasse stehn.


7. Du Heilger Geist, bereite
ein Pfingstfest nah und fern;
mit deiner Kraft begleite
das Zeugnis von dem Herrn.
O öffne du die Herzen
der Welt und uns den Mund,
daß wir in Freud und Schmerzen
das Heil ihr machen kund.

Text: Philipp Spitta (1827) 1833

Melodie: Lob Gott getrost mit Singen (Nr. 243)

 

 

Achim Schowalter

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8. Juni 2020

Es gibt nur wenige Texte in der Bibel, die mich immer wieder so berühren und trösten wie die Worte, die Paulus ungefähr in der Mitte seines Römerbriefs geschrieben hat. Immer wieder lese ich sie bei Beerdigungen am Grab, zitiere sie in Predigten und nehme sie mir selbst vor, wenn es im Leben drunter und drüber geht. Gottes Liebe zu mir, zu uns, zu dieser Welt ist unzerbrüchlich – davon ist Paulus überzeugt. Römer 8,31-39:

31 Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?
32 Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?
33 Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht.
34 Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt.
35 Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?
36 Wie geschrieben steht (Psalm 44,23): »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.«
37 Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat.
38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch [a]Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, 39 weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

In vielen alten und neuen christlichen Liedern gibt es Anklänge an diese Zeilen von Paulus. Eines meiner Lieblingslieder dazu stammt von einer neueren CD des amerikanischen Musikers Michael W. Smith.

Hier die deutsche Übersetzung:

Verse 1:
Kein Schatten kommt ohne, dass das Licht einen Weg sichtbar macht
Kein Sturm, auch wenn er noch so wütet, kann gegen ein Wort des Glaubens bestehen.
Mein Herz bleibt ruhig und gelassen in Stürmen und Wellen

Chorus:
Du bist der Anker für meine Seele,
Du wirst mich nicht verlassen
Egal, was auch kommen mag,
wirst du mich nicht verlassen

Verse 2:
Kein noch so tiefes Tal kann die Wahrheit ändern;
Deshalb habe ich keine Angst.
Du hälst mich nah an meiner Seite,
Du führst mich durch das Tal und bist dort ein Licht auf meinem Weg.

Bridge:
Weder Tod, noch Leben,
Weder die höchste Höhe noch die tiefste Tiefe,
Nichts, nichts kann uns von dir trennen.
Weder Tränen, noch Versuchung kann uns trennen,
Das ist so sicher, wie dass die Sonne aufgeht!

(angelehnt an Römer 8, 38-39)

 

Möge Gottes Liebe Sie in dieser Woche begleiten.

 

Achim Schowalter

10. Mai 2020

Für jedes Jahr wird von einer Kommission ein Bibelwort ausgesucht, das eine Art Leitwort sein kann: die Jahreslosung. In vielen evangelischen und freikirchlichen Gemeinden hat die Jahreslosung eine besondere Bedeutung. Es gibt dazu Andachten und Predigten, Bildmeditationen und Postkartenaktionen. Ich selbst finde es auch jedes Jahr spannend und anregend, mich auf solch ein Bibelwort einzulassen, mit der Jahreslosung zu leben und dann am Ende zu schauen, was ich damit erlebt habe.

Das Wort für 2020 ist der Ausspruch eines Mannes, der in seiner Verzweiflung bei den Jüngern Jesu und dann bei ihm selbst Hilfe für seinen kranken Sohn sucht. Seine Hoffnung und Verzweiflung legt er in die Worte: „Ich glaube – hilf meinem Unglauben!“

Wie gut kennen wir das, dass sich Hoffnungslosigkeit und Hoffnung, Glauben und Unglaube, Zuversicht und Zweifel mischen. Der Mann wendet sich mit alledem an Jesus. Dort ist für ihn die rechte Adresse – und auch für uns gilt das Angebot, zu Gott und zu Jesus im Gebet zu kommen mit all dem „Glaubensdurcheinander“. Vielleicht gerade auch in dem Corona-Durcheinander.

Gottfried Heinzmann und Hans-Joachim Eißler haben sich von der Jahreslosung inspirieren lassen und daraus ein Lied gemacht, das zum Nachsingen und Nachbeten einlädt.

 

Achim Schowalter